Decentralized Finance und Liquidität

DeFi, Decentraliced Finance, ist ein Sammelbegriff für eine Vielzahl von Technologien und Plattformen, die versuchen, mehr und mehr klassische Finanzdienstleistungen in dezentraler Form, ohne Beteiligung von Banken zu realisieren. Früher waren große, zentralisierte Unternehmen nötig, um Services wie Kredite, Konten, Versicherungen und so weiter anzubieten. Inzwischen gibt es Möglichkeiten, viele der klassischen Bankdienstleistungen über sog. "Smart Contracts" nachzubilden.

Webseite von Aave Aave Website

Kurzübersicht zu Aave

Token AAVE
Erfinder Stani Kulechov
Blockchain Ethereum (ERC-20)
Veröffentlichung Juni 2017
Use Case DeFi, Lending
Typ Open Source Protokoll
Whitepaper Aave Protocol Whitepaper

Eine zentrale Herausforderung für viele neue DeFi-Projekte besteht allerdings darin, dass auch für kleine Transaktionen und Swaps eine gewisse Liquidität erforderlich ist, um die Smart Contracts erfolgreich auszuführen. Liquidität, die manchen Entwicklerinnen und Entwickler erst einmal gar nicht zur Verfügung steht und die andere nur ungern fest anlegen wollen. Aave schickt sich an, diese Herausforderung anzugehen.

Contracts

Was sind Smart Contracts?

In unserem Artikel über Smart Contracts erhältst du interessante Informationen über die Funktionsweise und Vorteile von Smart Contracts.

Welche Funktion erfüllt Aave genau?

Das Prinzip, das eigene Kryptoguthaben zu beleihen, statt es einfach in Fiat-Geld oder andere Kryptowährungen umzutauschen, klingt zunächst nur wenig sinnvoll. Denn anders als in der klassischen Finanzwelt beliehene Assets wie Immobilien oder Rentenversicherungen zeichnen Kryptowährungen sich ja gerade dadurch aus, dass sie flexibel sind und keine fest angelegten Werte darstellen. Dennoch gibt es auch dabei zahlreiche Situationen, in denen die Beleihung sinnvoll sein kann. Etwa um mit den geliehenen Token zu spekulieren und zugleich von der Kursentwicklung bei den beliehenen Assets zu profitieren.

Mit den sogenannten Flash Loans (unten mehr dazu) treibt Aave die diesbezüglichen Möglichkeiten auf die Spitze. Auf der Website des Projekts beschreibt das Team hinter Aave die Plattform folgerichtig auch als liquidity protocol, das dazu beitragen soll, die Kryptomärkte einfach und kostengünstig mit Liquidität zu versorgen.

Wie funktioniert Aave?

Aave nutzt, wie viele andere DeFi-Protokolle und Plattformen auch, das Ethereum-Netzwerk als sichere und zuverlässige Basis für die eigene Technologie. Dementsprechend besteht das Aave-Protokoll aus einer Reihe von Smart Contracts, die das Regelwerk für die Nutzung der Technik definieren.

Funktionsweise von Aave Quelle: docs.aave.com/portal
DeFi

Decentralized Finance (DeFi) einfach erklärt

In unserem Artikel über DeFi erfährst du alles Rund um das Thema DeFi und warum dezentrale Systeme die Zukunft der Finanzwelt einläuten.

Einzahlung und Auszahlung

Die Aave-Web-Wallet lässt sich wahlweise mit einer der typischen Ethereum-Wallet (MetaMask, Trustwallet, Eidoo) oder verschiedenen anderen Lösungen von Online-Services wie Coinbase bis zur Hardware-Wallet von Ledger verknüpfen. Die Aave-Wallet selbst ist zum größten Teil in JavaScript geschrieben. Der Code ist quelloffen und kann entsprechend geprüft werden. Dennoch ist, wie bei anderen im Browser laufenden Wallets auch, eine gewisse Vorsicht bei der Nutzung geboten. Der Browser ist eine der von Hackern am häufigsten angegriffenen Softwarekomponenten.

Über die verknüpften externen Wallets ist es möglich, Guthaben in die Aave-Wallet einzuzahlen. Diese Token werden mit der Einzahlung fest in einem Smart Contract gebunden. Die Nutzerinnen und Nutzer erhalten die gleiche Anzahl Token als abgeleitete Einheit des Aave-Systems. Wer 10 ETH einzahlt, erhält zum Beispiel 10 aETH, um den Anspruch auf das eingezahlte Guthaben später geltend machen zu können. Diese ausgegebenen Token sind handelbar und können frei transferiert werden. Die eingezahlten Krypto-Token werden dann in einem gemeinsamen Pool gesammelt, aus dem Kredite entnommen werden können. Der Pool ist so konzipiert, dass immer eine gewisse Restmenge an Guthaben erhalten bleibt, um sicherzustellen, dass spontane Auszahlungswünsche der Investorinnen und Investoren problemlos ausgeführt werden können.

Solange die Einlagen eingezahlt sind und sich Interessenten finden, die aus dem entsprechenden Pool Guthaben entleihen wollen, werden darauf Zinsen gezahlt. Diese werden live in Form des entsprechenden abgeleiteten Anlage-Tokens ausgezahlt. Die aktuelle Höhe der zu zahlenden Zinsen wird vom System aus Angebot und Nachfrage berechnet. Sprich: Gibt es viele Geldgeber und nur wenige Kreditnehmer, sind die Zinsen niedrig, dreht sich das Verhältnis, steigen die Zinsen. Kreditnehmer haben allerdings bis zu einem gewissen Grad die Möglichkeit, sich gegen zu schnell steigende Zinsen zu schützen, indem sie einen fixen Zinssatz wählen.

Bei Auszahlung der Einlage werden die ausgegebenen Aave-Tokens vernichtet und das Guthaben in entsprechender Höhe zurückgezahlt.

Momentan können Aave-Anleger unter anderem die folgenden Währungen auf Aave halten:

Zudem unterstützt die Plattform diverse an den US-Dollar gebundene Stablecoins wie USD Coin, TrueUSD oder Binance USD. Dadurch wird es möglich zumindest indirekt Guthaben in US-Dollar auf Aave zu parken.

Leihen und zurückzahlen

Um per Aave einen Kredit aufzunehmen, ist es zunächst notwendig, selbst in das System zu investieren. Der Wert der Einlagen wird mithilfe von ChainLink-Oracles in US-Dollar umgerechnet. Der sich daraus ergebende Wert stellt die Sicherheit dar, die beliehen werden kann. Für die Beleihung fallen variable Zinsen an, die an die Investoren des entsprechenden Währungspools ausgezahlt werden.

Lending mit Aave

Zudem nimmt auch das Aave-System selbst beim Verleihen eine geringe Gebühr von 0,00001 %, die zum größten Teil in den Aave Protocol Fund fließt, aus dem die Weiterentwicklung des Projekts bestritten werden soll. Unter anderem soll darüber langfristig auch das Bug-Bounty-Programm der Plattform finanziert werden. Zudem werden darüber Investoren bezahlt, die direkt in das Protokoll investieren (mehr dazu weiter unten). Die Auszahlung des Kreditbetrags erfolgt nativ in der gewählten Kryptowährung.

Beim Leihen von Geld können die Kreditnehmer entscheiden, ob sie einen festen Zinssatz präferieren oder den live berechneten Zinssatz, der stark schwanken kann, bevorzugen. Der Kreditbetrag erhöht sich mit der Zeit automatisch um die Zinsen. Der Wert der als Sicherheit hinterlegten Einlagen wird vom System ständig neu berechnet. Fällt er zu stark, weil zum Beispiel die entsprechende Kryptowährung an den Märkten weniger wert ist, oder laufen so viele Zinsen auf den geliehenen Kreditbetrag auf, dass die Summe den Wert der Sicherheit übersteigt, wird die Sicherheit vom System automatisch liquidiert, um die Anleihe zurückzuzahlen.

Wird der Kredit dagegen regulär zurückgezahlt, wird die Sicherheit freigegeben und kann wieder ausgezahlt werden. Da auf die als Sicherheit hinterlegten Tokens auch während der Kreditvergabe weiter Zinsen gezahlt werden, kann es sein, dass ein Teil der Beleihungskosten dadurch neutralisiert wird. Gleichwohl sollte jedem, der über die Plattform seine eigenen Assets beleiht klar sein, dass es vorkommen kann, dass ungünstige Kursentwicklungen dabei empfindliche Verluste verursachen. Wesentlich spannender als diese klassische Beleihung von Assets sind zudem die von Aave ebenfalls ermöglichten sogenannten Flash Loans.

Flash Loans – Kurzzeitkredite mit Aave

Flash Loans sind für nur wenige Sekunden vergebene Kredite auf der Aave-Plattform, die in ihrer Höhe über eine eventuell hinterlegte Sicherheit hinausgehen können. Flash Loans müssen innerhalb eines Ethereum-Transaktionsblocks abgeschlossen werden. Der Kreditnehmer muss dafür einen Smart Contract auslösen, der die Kreditaufnahme und die Rückzahlung in derselben Transaktion ausführt. Das kann zum Beispiel sinnvoll sein, um den Tausch von Kryptowährungen zu ermöglichen. Plattformen wie Shapeshift, die das Wechseln von einer Kryptowährung in die andere ermöglichen, müssen normalerweise selbst eine gewisse Menge an Währungen vorhalten, um das Wechseln zu ermöglichen.

Aave Flash Loans Quelle: aave.com/flash-loans

Das kostet diese Services ganz praktisch Geld, das in Form von Gebühren wieder verdient werden muss. Nicht nur, weil das Kapital gebunden ist, sondern natürlich auch, weil sie sich damit den Kursschwankungen der oft volatilen Kryptowährungen aussetzen. Flash Loans ermöglichen es, solche Währungswechsel anzubieten, ohne selbst die entsprechenden Assets vorhalten zu müssen. Stattdessen werden die von den Aave-Anlegern eingezahlten Gelder dafür gegen eine Gebühr als liquide Mittel genutzt. Schlägt die Rückzahlung des Flash Loans mit demselben Ethereum-Block fehl, wird die gesamte Transaktion ungültig und verworfen. Es besteht also kein Risiko, dass Guthaben verloren geht.

Die eigentlichen Zinsen fallen bei Nutzung der Flash Loans genauso hoch aus wie bei der Beleihung eigener Assets. Dennoch steigen die Kosten für die Inanspruchnahme des Features gegenüber der besicherten Leihe von Guthaben stark an: Denn statt 0,00001 % Gebühr berechnet das Netzwerk dann 0,09 %. Der Großteil (70 %) davon fließt an die Anleger zurück, die durch Bereitstellung ihres Geldes überhaupt für die nötige Liquidität sorgen, um die Funktion anzubieten.

Der Governance-Token AAVE

Wie die meisten Krypto-Projekte verfügt auch Aave über eine eigene Kryptowährung. Der Token mit der Bezeichnung AAVE dient in erster Linie dazu, die Governance (Verwaltung und Führung) über das Projekt zu steuern. Ein AAVE-Token entspricht einer Stimme bei Abstimmungen über Protokollveränderungen. Die Token sind im Normalfall frei handel- und transferierbar. Zusätzlich ist es möglich, AAVE zu staken. Dabei greift eine Cooldown-Phase von zehn Tagen, in der das gestakte Guthaben blockiert ist, ehe es ausgezahlt werden kann. Als Entschädigung für das Risiko erhalten die Anlegerinnen einen Teil der Gebühren, die das Protokoll erhebt, sobald ein Kredit oder Flash Loan aufgenommen wird.

Aave Ökosystem Das Aave Ökosystem - Quelle: aave.com/aavenomics/

Mit dem Staking gehen bei Aave allerdings zusätzliche Risiken, die über die normalen Kursverluste hinausgehen, einher. Das Protokoll sieht nämlich sogenannte "Shortfall Events" vor. Diese können zumindest theoretisch auftreten, wenn mehrere auf Aave gehandelte Kryptowährungen sehr rasant an Wert verlieren, wenn viele Anleger ihre Assets gleichzeitig aus dem System abziehen oder wenn das Chainlink-Oracle, das für die Preisinformationen abgefragt wird, fehlerhafte Informationen liefert. Wenn das System in solchen Fällen nicht genug Reserven haben sollte, um die Anleger auszuzahlen, können bis zu 30 % der gestakten AAVE-Token liquidiert werden. Sollte auch das nicht ausreichen, kann das System zusätzlich neue AAVE-Token ausgeben, um für mehr Liquidität zu sorgen und die Anleger zu bezahlen. Die Integrität der Plattform selbst wird damit über die Sicherheit der AAVE-Token-Investitionen gestellt.

Chancen und Risiken: Die Zukunft von Aave

Aave ist eine der spannendsten Plattformen, die es momentan im DeFi-Bereich gibt. Besonders die Flash Loans, die so bislang in keinem anderen System existieren und denen funktional auch kein Produkt der klassischen, zentralisierten Finanzwirtschaft entspricht, haben großes Potenzial. Sie ermöglichen es Softwareentwicklerinnen und -entwicklern, eigene kryptobasierte Angebote zu entwickeln, deren praktische Nutzung sonst nur mit einer gewissen Finanzreserve im Hintergrund sinnvoll wäre. Aave stellt dezentral Liquidität für solche Produkte zur Verfügung. Das ist ein Markt mit unfassbarem Wachstumspotenzial.

Zugleich ist es aber wichtig, noch einmal zu betonen, dass so gut durchdacht Prinzip und Protokoll von Aave auch sind, der Teufel im Detail stecken könnte. Denn bei einem "bank run", bei dem viele Anleger gleichzeitig ihre Einlagen zurückfordern, kann es auch in einem gut designten System zu Turbulenzen kommen. Wer sein Geld bei Aave anlegt, geht damit definitiv gewisse Risiken ein. Hinzu kommt, dass natürlich ein Restrisiko besteht, dass einer der das Protokoll konstituierenden Smart Contracts sich als fehlerhaft erweisen und schwerwiegende Sicherheitsmängel enthalten könnte.

Dennoch: Aave ist einen Blick wert und könnte sich in den kommenden Jahren zu einem der wichtigen Systeme im Bereich der dezentralisierten Finanzdienstleistungen (DeFi) entwickeln.

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