Was sind Smart Contracts?

Smart Contracts, auch intelligente Verträge genannt, stellen eine funktionelle Erweiterung zu klassischen Blockchain-Systemen dar und werden der sogenannten zweiten Generation der Blockchain zugeschrieben. Insbesondere die Blockchain von Ethereum steht hier stellvertretend für die Nutzung von Smart Contracts, da sie als eines der ersten Systeme die technischen Voraussetzungen schuf, um diese vollumfänglich zu nutzen.

Smart Contract
Quelle: ben.co

Wie funktionieren Smart Contracts?

Im Grunde genommen sind Smart Contracts kleine Programme, die auf einer Blockchain laufen und denen eine einfache Wenn-Dann-Funktion zugrunde liegt, die sie automatisiert ausführen können. Ähnlich einem klassischen Vertrag werden dazu Bedingungen und Handlungen definiert. Intelligente Verträge profitieren dabei von den Eigenschaften der Blockchain und sind unveränderbar, transparent und benötigen keinen Intermediär zur Abwicklung. Stattdessen gewährleistet die Funktionalität der Blockchain eine sichere Ausführung der Verträge zu minimalen Kosten. Die Vorteile sind vielseitig. Intelligente Verträge können automatisiert und ohne Zeitverlust ausgeführt werden, ohne dabei von Intermediären oder hohen Transaktionskosten abhängig zu sein.

Innerhalb einer Blockchain fungiert ein Smart Contract wie ein eigenes Konto mit einer Public Address, jedoch ohne Inhaber. Es besitzt quasi niemand den Private Key zu diesem Konto. Sobald es einmal erstellt wurde, kann niemand mehr darauf zugreifen oder Änderungen vornehmen. Stattdessen werden Vertragsinhalte in Form von Bedingungen und Handlungen festgeschrieben, die das Konto automatisiert ausführt. Ebenso kann es sich mit anderen Konten verbinden, mit denen es interagieren soll. Hierzu müssen die jeweiligen Kontoinhaber die Verträge mittels ihres digitalen Fingerabdrucks vorab akzeptieren.

Illustration Smart Contracts

Wie können Smart Contracts genutzt werden?

Die Einsatzgebiete von Smart Contracts sind enorm. Im folgenden werden einige simple Einsatzbeispiele beschrieben.

Die Darstellung einer repetitiven Zahlung soll helfen diese Funktionsweise deutlich zu machen. Im klassischen Blockchain-System kann beispielsweise Sarah ihre monatliche Miete mittels einer Übertragung von zwei Bitcoin an ihren Vermieter durchführen und erhält dafür das Recht die Wohnung zu beziehen. Diesen Vorgang müsste sie jedoch jeden Monat wiederholen, ähnlich einer angewiesenen Banküberweisung. Mit einem Smart Contract kann Sarah mit ihrem Vermieter einen Vertrag schließen, der eine wiederkehrende und automatisierte Zahlung durchführt. Dazu definiert sie die Bedingung, dass jeweils der erste Tag eines Monats eintreten muss. Wenn sich diese Bedingung erfüllt, wird eine entsprechende Transaktion von ihrem Konto über das Konto des Smart Contract an das Konto des Vermieters initiiert. Stimmen Vermieter und Sarah diesem Vertrag zu, verbindet sich der intelligente Vertrag mit den jeweiligen Konten.

Was im Grunde simpel klingt wie ein Dauerauftrag bei einer Bank, kommt nun jedoch durch die Technologie der Blockchain komplett ohne Intermediär, in diesem Fall die Bank, aus. Theoretisch könnten weitere Mitbewohner in den Smart Contract implementiert werden. Oder es ließe sich definieren, dass Nebenkosten-Rückzahlungen auf dem Smart Contract-Konto liegen bleiben, um diese mit zukünftigen Mieten zu verrechnen.

Ethereum Smart Contract Ethereum ist die beliebteste und bekannteste Blockchain für Smart Contracts

Einen weiteren interessanten Fall stellt die dezentrale Stromgewinnung dar, bei der private Solarstromproduzenten und Konsumenten ohne Intermediär miteinander in Verbindung treten. Die Blockchain kann hierbei dezentral und manipulationssicher sowohl die Höhe des Energieverbrauchs der Konsumenten als auch die Höhe der Solarproduktion dokumentieren. Dies geschieht beispielsweise durch intelligente Glühbirnen, die Informationen über den Stromverbrauch direkt in die Blockchain einspeisen. Smart Contracts könnten automatisch die entsprechenden Zahlungen von den Konsumenten an die Produzenten initiieren. In einem solchen System wären Stromkonzerne überflüssig, da das Vertrauen durch die Blockchain erschaffen wird und Smart Contracts die Vertragskonditionen und automatisierten Zahlungsflüsse übernehmen.

Die tatsächlichen Möglichkeiten für intelligente Verträge gehen noch weit über die beschriebenen Beispiele hinaus. Smart Contracts können beliebig komplex gestaltet werden und zahlreiche Parteien und Bedingungen enthalten. Sobald sich Bedingungen und Handlungen definieren und digitalisieren lassen, können Smart Contracts diese Arbeit übernehmen.

Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung würden beispielsweise die Arbeiten von Anwälten, Notaren oder Behörden erleichtert oder sogar überflüssig gemacht. Das Internet der Dinge könnte durch die Schnittstelle zur Blockchain automatisierte Abrechnungen und Zahlungen in Echtzeit vornehmen.

Initial Coin Offerings und DApp's

Im Bereich der ICO’s (Initial Coin Offerings) werden Smart Contracts bereits angewendet. Hierbei handelt es sich um Schwarm-Finanzierungen von Unternehmen, bei denen eine Zahlung an ein bestimmtes Konto direkt eine Rückzahlung in Form von Anteilen (Tokens) initiiert. Theoretisch lassen sich durch Smart Contracts sogar ganze Unternehmen automatisieren.

Verbindet man mehrere Smart Contracts miteinander, lassen sich komplexe, durch die Blockchain dezentralisierte, Programme konstruieren. Diese Anwendungen werden dezentrale Apps, kurz DApp's (Decentralized Applications) genannt. Eines von vielen Beispielen dafür wäre zum Beispiel Golem, ein dezentrales Netzwerk zum mieten und vermieten von Rechenpower.

Im Grunde genommen sind viele Kryptowährungen, die keine eigene Blockchain-Infrastruktur besitzen, lediglich komplexe DApp‘s, die als Programm auf einer bestehenden Blockchain laufen. Vergleichen kann man dieses Modell mit dem eines Online-Webservices, für dessen Nutzung man bezahlt. Ein gutes Beispiel hierfür liefert die Ethereum-Blockchain, die ihr ausgeklügeltes Betriebssystem namens Ethereum Virtual Machine (EVM) zur Verfügung stellt. Damit die Mieter ihre Programme oder Anwendungen auf der EVM laufen lassen können, müssen sie dafür sogenanntes Gas, zu Deutsch Sprit, bezahlen. Bei der EVM wird Gas wird in der Währung von Ethereum (Ether) beglichen, woraufhin der Programmcode der Anwendungen im kompletten Ethereum-Netzwerk ausgeführt wird und die Mieter ihre Programme auf der EVM laufen lassen können.

Da die meisten Blockchain-Technologien überdies auf dem Open-Source-Prinzip basieren, stehen die Möglichkeiten innovative DApps zu kreieren, jedem offen. Es wird daher spannend zu beobachten sein, welche dezentralisierten Anwendungen auf welchen Betriebssystemen zukünftig das private, als auch das professionelle Umfeld beeinflussen werden.

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