Anders als viele andere Exchanges arbeitet Uniswap nicht mit den sonst üblichen Order Books, sondern kalkuliert den Preis eines Tokens aus der konkret zur Verfügung stehenden Liquidität. Dadurch sollen Swaps per Uniswap schneller sein als auf vergleichbaren Plattformen. Der native Token (UNI) des Systems dient der Verwaltung und Governance des Uniswap Protokolls und Ökosystems.

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Warum gibt es Uniswap?

Große Handelsplattformen spielen in der Welt der Kryptowährungen nach wie vor eine zentrale Rolle. Wer ernsthaft mit Ethereum, Bitcoin und Co. handeln möchte, kommt an Diensten wie Coinbase oder Kraken kaum vorbei. Das Problem: Wer auf diesen Plattformen handelt, gibt seine Kryptowährungen in fremde Hände. Einer der wesentlichen Vorteile, den die virtuellen Währungen bieten, fällt damit weg: die Unabhängigkeit von großen Institutionen. Mit eigenen dezentralen Handelssystemen versucht die DeFi-Szene daher bereits seit einigen Jahren, Möglichkeiten zu schaffen, den Handel der unterschiedlichen Coins und Tokens von den zentralisierten Plattformen (z. B. Binance oder Coinbase) zu lösen.

Kryptowährungen

Was sind Kryptowährungen eigentlich?

In unserem umfassenden Artikel über Kryptowährungen erfährst du, was Kryptowährungen sind und welche unterschiedlichen Arten es gibt.

Vor allem Sicherheitsbedenken treiben diese Entwicklung an. Ältere Semester werden sich noch an das Debakel rund um die einst weltweit größte Bitcoinbörse Mt. Gox erinnern, die im Jahr 2014 den Verlust von insgesamt mehr als 800.000 Bitcoin zu beklagen hatte. Auch die Kosten, die bei der Nutzung zentralisierter Plattformen anfallen, gelten vielen als Problem. Handelsgebühren von mehr als 1 % sind bei vielen Handelsplattformen an der Tagesordnung. Zudem sind Händlerinnen und Händler darauf angewiesen, dass die Plattform die eigene Wunschwährung auch unterstützt. Wer in weniger weitverbreitete Token investiert ist, hat es mitunter nicht leicht, diese überhaupt irgendwo anzubieten.

Kryptowährungen handeln

Hinzu kommt die Verpflichtung, sich bei den Plattformen mit Personalausweis oder Reisepass auszuweisen (Stichwort KYC). Dezentrale Exchanges wie Uniswap lösen eine ganze Reihe dieser Probleme. Dafür herrscht dort gerade beim Handel mit etwas exotischeren Währungspärchen oft gähnende Leere in den Order Books. Seine Kryptotoken auf einem dezentralen Exchange zu binden, kann aufgrund hoher Opportunitätskosten ein teures Vergnügen sein. Die auf der Ethereum-Blockchain realisierte Plattform Uniswap verspricht sich dieser Probleme anzunehmen.

DeFi

Decentralized Finance (DeFi) einfach erklärt

In unserem Artikel über DeFi erfährst du alles Rund um das Thema DeFi und warum dezentrale Systeme die Zukunft der Finanzwelt einläuten.

Uniswap im Überblick

Alle aktuellsten Zahlen: info.uniswap.org, uniswap.org

Token UNI
Kurs 22,05 € (-1,69% in 24h)
Marktkapitalisierung 14.128.155.666,90 €
Gründer Hayden Adams
Blockchain Ethereum
Allzeit-Volumen 83 Millarden ($)
Liquidität 4,5 Millarden ($)
Liquiditäts-Anbieter 72.000
Trades insgesamt 29 Millionen
Tokenpaare 30.237
DeFi Integrationen 200
Whitepaper whitepaper.pdf

Besonderheiten bei Uniswap

Uniswap unterscheidet sich auf den ersten Blick vor allem in einem wichtigen Punkt von anderen dezentralen Handelsplattformen: Es gibt keine Auftragsbücher. Wer schon einmal mit Kryptowährungen gehandelt hat, weiß, dass die meisten Plattformen, egal ob zentral oder dezentral, mit sogenannten Order Books arbeiten. Wer beispielsweise Bitcoin gegen Ether wechseln möchte, veröffentlicht ein Angebot und hofft, dass jemand darauf eingeht. Wer aktiv traden will, um an Kursveränderungen mitzuverdienen, muss seine Handelsgebote regelmäßig prüfen und an die aktuellen Marktbedingungen anpassen. Das bedeutet zusätzliche Arbeit oder sogar die Notwendigkeit, clevere Tradingbots zu entwickeln, die autonom kaufen und verkaufen und es so auch bei wenig volatilen Kursen ermöglichen, Gewinne zu realisieren.

Uniswap Uniswap DEX (Dezentrale Exchange)

Bei Uniswap findet die Ermittlung der aktuellen Wechselkurse automatisch statt. Dadurch soll die Handelsgeschwindigkeit erheblich erhöht und das Investieren vereinfacht werden. Gehandelt werden können auf Uniswap allerdings ausschließlich Ether und ERC-20-Token. Wer also Bitcoin und andere nicht-Ethereum-basierte Kryptos traden möchte, muss auf Lösungen wie Wrapped Bitcoins setzen. Für ERC-20-Token können dafür aber vollkommen frei Handelspaare eingerichtet werden. Auch neue Währungen lassen sich auf diese Weise schnell in den Handel einbinden.

Liquidity Pools

Dazu werden auf Uniswap sogenannte Liquidity-Pools gebildet. In einen Liquidity-Pool werden stets zwei unterschiedliche Kryptotoken eingezahlt. Zum Beispiel kann es sich dabei um Ether (ETH) und Wrapped Bitcoin (WBTC) handeln. Besteht im System noch kein Liquidity-Pool für dieses Handelspaar, wird es als neuer Smart Contract auf der Ethereum-Blockchain ausgeführt. Wer WBTC gegen ETH oder umgekehrt wechseln möchte, kann das nun mithilfe dieses Liquiditätspools tun. Dabei gilt: Will ein Handelspartner Token aus dem Pool entnehmen, muss er dafür in der korrespondierenden Währung bezahlen. Der Preis berechnet sich dabei nach der einfachen Gleichung x · y = k. x und y stehen dabei für die beiden im Liquidity-Pool vorgehaltenen Kryptowährungen, k repräsentiert einen konstanten Wert, der nach einem Trade unverändert bleiben muss.

Uniswap Pools Uniswap Pools - Quelle: https://uniswap.org/docs/v2/core-concepts/pools/

Um das anhand eines Beispiels zu verdeutlichen: In den oben bereits beschriebenen Liquidity-Pool wurden 10 WBTC und 270 ETH eingezahlt. Damit ergibt sich für die Konstante k ein Wert von 10 × 270 = 2700. Möchte nun jemand 1 WBTC für ETH kaufen, sinkt durch den Wechsel der Bestand an WBTC im Pool auf 9. Da k weiter 2700 betragen muss, muss die Menge an ETH im Pool auf 300 erhöht werden. Der Preis für 1 WBTC beträgt also 30 ETH. Je weniger Einheiten eines Tokens in einem Liquidity-Pool vorhanden sind, desto teurer wird durch diese Mechanik der Kauf. Würde der Kaufinteressent nicht 1 WBTC sondern gleich 5 WBTC erwerben wollen, müsste der Ether-Vorrat im Pool auf 540 ETH verdoppelt werden. Der Preis eines WBTC würde also auf 54 ETH steigen. Das macht deutlich, dass Uniswap vor allem dann gut funktioniert, wenn die Liquidity-Pools ausreichend mit flüssigen Mitteln versorgt sind. Zu kleine Pools führen zu höheren Preisen.

In bestehende Uniswap Pools investieren

Wer möchte, kann jederzeit weiteres Guthaben in einen bestehenden Liquidity-Pool einzahlen. Dabei muss das aktuelle Verhältnis gewahrt werden. In einen Pool, in dem 10 WBTC und 270 ETH liegen, können also zum Beispiel 1 WBTC und 27 ETH oder 2 WBTC und 54 ETH eingezahlt werden. Sowohl der Begründer eines Liquidity-Pools als auch spätere Investoren erhalten bei der Einzahlung sogenannte Pool-Token, die ihren Anspruch auf einen Teil des gesammelten Guthabens und für Trades anfallende Gebühren belegen. Die Menge der ausgegebenen Token berechnet sich dabei ebenfalls nach einer einfachen mathematischen Formel: √(x·y).

Im obigen Beispiel würde der Begründer des WBTC/ETH-Pools also √(10×270) Token erhalten. Also ungefähr 51,96 Token. Ein zweiter Investor, der sich mit einer Investition von 1 WBTC und 27 ETH anschlösse, würde etwa 5,17 Token erhalten.

Pool Token Pool Token - Quelle: https://uniswap.org/docs/v2/core-concepts/pools/

Die Formel stellt sicher, dass die Anzahl der ausgegebenen Token auch dann weiter fair bleibt, wenn sich das Verhältnis der in den Pool eingezahlten Kryptotoken verschiebt. Liegt es zum Beispiel nach dem Kauf eines WBTC bei 9:300 erhält nun ein Investor, der 0,9 WBTC und 30 ETH einzahlt, ebenfalls 5,17 Token und hat damit einen genau so hohen Anteil wie jemand, der zu einem früheren Zeitpunkt 1 WBTC und 27 ETH beigetragen hat. Die Pool-Token sind selbst ERC-20-kompatibel und damit frei handel- und transferierbar. Sie können jederzeit in einen Anteil der aktuell vom Pool gehaltenen Token eingetauscht werden.

Gebühren bei Uniswap

Kaufen Investoren Token aus einem Pool, fallen dabei jedes Mal 0,3 % Gebühren an. Diese werden dem Pool in Echtzeit hinzugefügt und können zusammen mit der ursprünglichen Investition jederzeit ausgezahlt werden. Solange keine Auszahlung erfolgt, erhöhen die Gebühren damit die über den Pool handelbare Geldmenge und generieren potenziell ihrerseits weitere Gebühren. Allerdings sind sie damit auch demselben Risiko ausgesetzt wie das initiale Investment (siehe folgender Abschnitt).

Die Smart Contracts von Uniswap sehen grundsätzlich auch die Option vor, den Gebührenanteil für die Investoren auf 0,25 % zu senken, um 0,05 % an Halter von UNI-Token auszuzahlen und die Weiterentwicklung der Plattform zu finanzieren. Momentan (Stand: Februar 2021) ist diese Funktion allerdings nicht scharfgeschaltet und es ist unklar, ob und wann es dazu kommen wird.

Risiken bei Uniswap durch Divergenzverluste

Die Uniswap-Entwicklerinnen und -Entwickler setzen darauf, dass Arbitragehandel dazu führen wird, dass in einen Liquidity-Pool eingezahlte Kryptos stets im Gleichgewicht gehalten werden und der Pool damit den aktuellen Marktpreis hinreichend genau abbildet. In einen Liquidity-Pool einzuzahlen kann damit eine Möglichkeit sein, die Wechselkurse der beiden Währungen gegeneinander abzusichern.

Kursschwankungen

Wer zum Beispiel in einen Liquidity-Pool investiert, in dem Ether und der Stablecoin Tether (USDT) gehandelt werden, sorgt damit dafür, dass sich Wechselkursschwankungen schwächer auswirken, als das beim bloßen Halten der Ether-Position der Fall wäre. In Zeiten steigender Kurse kann das aber bedeuten, dass sich das Verhältnis der in den Pool eingezahlten Assets allmählich in Richtung des weniger stark im Wert wachsenden Tokens verschiebt. Dadurch partizipieren die Investoren nicht so sehr am Kursgewinn wie andere Marktteilnehmer, die den entsprechenden Token einfach halten. In der Theorie sollten die 0,3 % Gebühren pro Trade ausreichen, um diesen potenziellen Divergenzverlust gänzlich auszugleichen – in der Praxis kann es aber dennoch vorkommen, dass die Einzahlung in den Pool sich als weniger lukrativ erweist als das bloße Halten der Token. Im Prinzip ließen solche Verluste sich wieder ausgleichen, sollten die Kurse der beiden Kryptowährungen sich zurück in die entgegengesetzte Richtung entwickeln. Das ist aber keineswegs sicher, schließlich kann es auch zu einer langfristigen Wechselkursverschiebung kommen.

Letztlich handelt es sich bei diesem Risiko um Opportunitätskosten, die mit der Bereitstellung von Liquidität einhergehen. Wer in einen Uniswap-Pool investiert, sollte sich klar machen, dass die Einzahlung schlimmstenfalls den Teilverkauf eines der beiden Token zum aktuellen Marktpreis bedeuten kann. Je stabiler das Preisverhältnis der beiden gehandelten Token zueinander sich verhält, desto geringer ist das Risiko.

Flash Swaps

Ein weiteres spannendes Feature von Uniswap sind die sogenannten Flash Swaps. Dabei handelt es sich um Ultrakurzzeitkredite, die konzeptionell den Flash Loans ähnelt, die das DeFi-Kreditsystem Aave bereitstellt.

Pool Token Swaps - Quelle: https://uniswap.org/docs/v2/core-concepts/swaps/

Flash Swaps erlauben es für die Zeit, die es dauert, einen Ethereum-Block zu minen, einen Liquidity-Pool zu beleihen und die darin bereitgestellten Token für Swaps oder andere Vorgänge zu nutzen. Freigegeben wird die gesamte Transaktion nur dann, wenn der Swap noch im selben Ethereum-Block inklusive Gebühren abgeschlossen wird. Unter anderem ist es so möglich, Token, für die kein eigener Liquidity-Pool besteht, zu wechseln, sofern passende Pools mit einer gemeinsamen Handelswährung existieren.

Gibt es beispielsweise einen Pool für den Handel des Paares ETH und USDT und einen Pool, in dem WBTC und ETH gehandelt werden, kann über Flash Swaps auch das Paar WBTC/USDT gewechselt werden. Dabei fallen dann allerdings doppelte Gebühren an. Die über einen Liquidity-Pool bereitgestellten Ressourcen können per Flash Swap aber auch außerhalb des Uniswap-Systems genutzt werden, um Transaktionen durchzuführen. Spannend ist das zum Beispiel im Zusammenspiel mit anderen Liquiditätsnetzwerken, da sich so verkettete atomare Swaps generieren lassen, die den Umtausch verschiedenster Assets ineinander ermöglichen. Auch dann, wenn ein ERC-20-Token auf Uniswap bislang noch nicht gehandelt wird.

Insbesondere lassen sich auf diese Weise Arbitragegewinne zwischen den verschiedenen Plattformen abschöpfen, ohne selbst über die entsprechende Liquidität zu verfügen. Etwa indem ein Aave-Flash-Loan gegen einen Uniswap-Flash-Swap gehandelt wird.

Uniswap Token UNI: Governance und Verwaltung

Seit September 2020 hat Uniswap auch eine eigene Kryptowährung (bzw. Token) auf der Ethereum-Blockchain. Der UNI-Token soll vor allem dazu dienen, die Governance über das System zu kontrollieren. Denn jeder UNI-Token verbindet sich mit dem Anrecht, bei Abstimmungen über die Zukunft der Plattform eine Stimme abzugeben.

UNI Token Verteilung Ursprüngliche Verteilung der UNI Token - Quelle: https://uniswap.org/blog/uni/

Zudem besteht eventuell die Möglichkeit, dass UNI-Token-Halter künftig einen kleinen Teil der vom System berechneten Wechselgebühren erhalten. Ob das jemals umgesetzt wird, ist aber bislang nicht klar. Die 0,3 % Gebühren, die mit jedem Trade erhoben werden, zu teilen, würde Uniswap für Liquidity-Provider schließlich wesentlich weniger attraktiv machen. Insgesamt gibt es eine Milliarde UNI-Token, die zu 60 % an die Nutzer des Systems verteilt werden und zu 40 % beim Gründungsteam verbleiben sollen. UNI-Token wurden zunächst an alle Anwenderinnen und Anwender verteilt, die in der Vergangenheit bereits mit dem Uniswap-System interagiert hatten, können inzwischen auch über Uniswap gekauft werden.

Zukunft und Prognose von Uniswap

Dezentrale Exchanges wie Uniswap werden in Zukunft eine immer größere Rolle beim Handel mit Kryptowährungen spielen. Das von Uniswap genutzte System für die automatische Ermittlung von Marktpreisen besticht durch seine Einfachheit und Eleganz. Das alleine könnte der Plattform zum Durchbruch verhelfen. Gerade Anlegerinnen und Anleger, die ihr Geld einfach im Hintergrund für sich arbeiten lassen und nicht aktiv traden wollen, profitieren von diesem Ansatz. Die potenziellen Gewinne (und Risiken) beim klassischen Daytrading fallen allerdings höher aus als bei Uniswap. Zudem ist es per Uniswap nur möglich, ERC-20-Token zu handeln. Zwar werden inzwischen viele andere Kryptowährungen als abgeleitete, "gewrappte" Token auch auf Ethereum hin und her bewegt, doch der Wechsel von zum Beispiel Bitcoin in Wrapped Bitcoin bedeutet eine weitere Hürde für Nutzerinnen und Nutzer, die schnell Geld wechseln möchten. Dennoch: Uniswap vereinfacht es, Kryptoassets sicher anzulegen und am Handel mitzuverdienen.

Uniswap Ökosystem Uniswap Ökosystem

Die Offenheit der Plattform ist ein weiterer wichtiger Faktor für ihre Erfolgschancen: Jeder und jedem ist es möglich, Software zu schreiben, die direkt mit den Uniswap-Liqudity-Pools interagiert. So können auch zentralisierte Handelsplattformen, Wechselstuben und Trading-Apps auf die per Uniswap bereitgestellte Liquidität zurückgreifen und diese nutzen, um eigene Services anzubieten. Es bestehen also gute Aussichten für die Zukunft von Uniswap als Plattform.

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