Steuern

Wie werden Bitcoin und andere Kryptowährungen versteuert?

Steuern für Bitcoin und Kryptowährungen

Bitcoin und Steuern

Der Verkauf von Bitcoin & Co. ist steuerfrei, sobald eine Haltefrist von mindestens einem Jahr ab Kaufdatum überschritten ist. Kryptowährungen werden rechtlich als "immaterielle Wirtschaftsgüter" behandelt und nach dem sog. "FIFO-Prinzip" (First In – First Out) besteuert. Erträge aus Geschäften mit Kryptowährungen müssen in der Steuererklärung aufgeführt werden.

Steuern - Ist Bitcoin ein Zahlungsmittel?

Die Frage, ob es sich bei Bitcoin & Co. um echte Zahlungsmittel handelt, hat direkten Einfluss auf zentrale Steuerfragen.

Bitcoin als Zahlungsmittel

Fans von Kryptowährungen werden das Argument vorbringen, dass bereits die Namensgebung darauf hinweist, dass es sich um wirkliches Geld handelt. Ganz anders sieht das allerdings die Rechtsprechung in den meisten Ländern, auch im Bezug auf Steuern. Demnach sind Bitcoin & Co. keine gesetzlichen Zahlungsmittel. Das bedeutet, dass Verkäufer nicht gesetzlich verpflichtet sind, sie als Zahlungsmittel für Waren oder Dienstleistungen entgegenzunehmen.

Kryptowährungen

Was sind Kryptowährungen eigentlich?

In unserem umfassenden Artikel über Kryptowährungen erfährst du, was Kryptowährungen sind und welche unterschiedlichen Arten es gibt.

Natürlich kann jeder Gewerbetreibende und jede Privatperson für sich entscheiden, ob er oder sie Kryptowährungen zur Bezahlung erbrachter Leistungen anerkennen will oder nicht. Aber das ist in jedem Fall eine Vereinbarung nach Privatrecht ohne gesetzliche Grundlage.

Auch beim sog. "Mining" von Bitcoin und anderen Kryptowährungen, ist die Ausgangslage grundsätzlich anders als bei der Herausgabe gesetzlicher Zahlungsmittel. Im Gegensatz dazu gibt es bei Bitcoin & Co. nämlich keinen Emittenten - in der Regel die Zentralbank eines Landes, die für die Ausgabe der Landeswährung verantwortlich ist. Und so will es das Gesetz: kein Emittent – kein gesetzliches Zahlungsmittel.

Gesetze

Genau an dieser Stelle beginnt es, verwirrend zu werden. Da gibt es beispielsweise ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) aus dem Jahr 2015. Das Gericht entschied, das Umsätze in Bitcoin unter die Steuerbefreiung für Devisen fallen, konform zu geltendem EU-Recht. Wer nun annimmt, das wäre der Beweis dafür, dass Kryptowährungen gesetzliche Zahlungsmittel sind und wie alle anderen Fiatwährungen (Dollar, Euro, etc.) zu behandeln sind, liegt allerdings verkehrt. Bitcoin und andere Kryptowährungen sind – trotz des Urteils des EuGH – weder das eine noch das andere.

Die rechtliche Lage bei Bitcoin Steuern

Die geltende Rechtslage in den meisten Ländern besagt: Kryptowährungen sind aus der Sicht des Ertragsteuerrechts als immaterielle Wirtschaftsgüter zu behandeln. Mit anderen Worten: Einkünfte, die aus Verkäufen von Kryptowährungen stammen, müssen unter bestimmten Bedingungen versteuert werden. Zu diesen Bedingungen kommen wir später.

Bitcoin ist von Umsatzsteuer befreit

Zumindest ein steuerlicher Aspekt ist inzwischen endgültig geklärt – jedenfalls in Deutschland: Die Behandlung von Kryptowährungen im Zusammenhang mit der Umsatzsteuer. Am 27. Februar 2018 hat das Bundesministerium der Finanzen dazu ein Machtwort gesprochen und sich dabei auf das schon erwähnte Urteil des EuGH bezogen. Demnach sind die Finanzämter angewiesen, Transaktionen mit Bitcoin & Co. grundsätzlich als umsatzsteuerfrei zu behandeln.

Steuern beim Verkauf von Bitcoin und Kryptowährungen

Ertragsteuern fallen an, wenn Einkünfte erzielt werden, also kommt es für die Betrachtung der Steuersituation darauf an, was geschieht, wenn du Kryptowährungen verkaufst. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Coins aus früheren Käufen stammen, oder ob du sie geschürft hast. Wichtig für die steuerliche Bewertung ist lediglich die Frage, wann sie in deinen Besitz gelangt sind, doch davon später mehr.

Handel mit Bitcoin und Kryptowährungen

Verkaufst du Kryptowährungen aus deinem Eigentum, liegt eine Veräußerung vor. Allerdings gibt es noch eine andere Form der Veräußerung, nämlich dann, wenn die Coins zur Bezahlung von Waren oder Dienstleistungen genutzt werden.

Tritt einer dieser Fälle ein, hast du ein privates Veräußerungsgeschäft gemäß Paragraf 23 Absatz 1 Nummer 2 des Einkommensteuergesetzes getätigt. Dafür gibt es auch eine andere Bezeichnung: Spekulationsgeschäft. Die Frage, ob dieses Veräußerungsgeschäft steuerpflichtig ist oder nicht, hängt vom Zeitpunkt der Anschaffung ab.

Für Privatpersonen gibt es in diesem Zusammenhang den Begriff der Haltefirst. Sie beschreibt den Zeitpunkt zwischen dem Erwerb, beziehungsweise der eigenhändigen Erzeugung der Kryptowährung und ihrem Verkauf. Bei Veräußerungsgeschäften im privaten Umfeld beträgt die Frist ein Jahr.

Verkäufe innerhalb der Haltefirst sind steuerpflichtig, Verkäufe nach einem Jahr sind für Privatpersonen steuerfrei.

Anschaffungsdaten beim Bitcoin sind für Steuer relevant

Zugegeben: so einfach ist es dann doch nicht. In der Regel stammt der eigene Bestand an Kryptowährungen aus unterschiedlichen Käufen zu unterschiedlichen Zeitpunkten und zu unterschiedlichen Kursen. Das macht die Berechnung des steuerpflichtigen Veräußerungsgewinns zu einer verzwickten Angelegenheit. Dazu ein einfaches Beispiel mit theoretischen Werten:

Da der Verkauf innerhalb der Haltefirst erfolgt, ist der Veräußerungsgewinn steuerpflichtig. Ab dem 12. Januar des Folgejahres wäre der Verkauf steuerfrei.

Illustration Charts und Berechnungen

Wenn dieses Beispiel das einzige Veräußerungsgeschäft im laufenden Steuerjahr darstellt, müssen allerdings nur 200 Euro versteuert werden. Für private Veräußerungsgeschäfte gilt nämlich eine Freigrenze von 600 Euro im Jahr. Aber Achtung: Das gilt für alle Veräußerungsgeschäfte zusammen, also nicht nur Kryptowährungen, sondern auch alles andere.

Ergibt sich aus den Geschäften mit Kryptowährungen ein Verlust, kann auch er geltend gemacht werden. Es fällt nicht nur keine Steuer an, sondern der Verlust kann auch mit Gewinnen anderer Jahre verrechnet werden. Die Verrechnung mit zurückliegenden Jahren heißt Verlustrücktrag, mit folgenden Jahren Verlustvortrag.

Richtig kompliziert kann es werden, wenn Veräußerungen mit mehreren Anschaffungen zu verschiedenen Zeitpunkten in Beziehung gebracht werden müssen, um so den Veräußerungsgewinn zu ermitteln. Das Problem dabei: Jeder Bitcoin sieht aus wie der andere. Welchen Coin hast du für den Verkauf verwendet: den aus dem Kauf von letztem Monat oder einen aus dem Kauf von vor zwei Jahren?

Wenn du glaubst, dass das im Grunde egal ist, hast du die Haltefrist vergessen. Stammt der Coin aus dem Verkauf von letztem Monat, ist der Veräußerungsgewinn steuerpflichtig. Stammt er aus dem Verkauf von vor zwei Jahren, ist der Verkauf steuerfrei.

FIFO Berechnung

Das FIFO-Prinzip

In der Regel lässt sich hier die Regelung für Fremdwährungsgeschäfte anwenden, genannt FIFO. Das ist kein Hundename, sondern steht für "First In – First Out". Mit anderen Worten: Für den anstehenden Verkauf verwendest du die ältesten Coins aus deinem Bestand. Auch dazu ein theoretisches Beispiel:

Zur Berechnung des Veräußerungsgewinns wäre es für dich vorteilhafter, den Bitcoin aus dem Verkauf von 23. Juli zu verwenden, damit der Gewinn und die Steuerlast geringer sind. Das allerdings ist in der Regel nicht zulässig. Nach der FIFO-Regel muss der Bitcoin aus dem Kauf vom 14. März verrechnet werden, was einen Veräußerungsgewinn von 2.800 Euro ergibt.

Bei einem Verkauf von 2,5 Bitcoin müsstest du 2 BTC aus dem Kauf vom 14. März und 0,5 BTC aus dem Kauf vom 23. Juli verwenden. Der Veräußerungsgewinn würde sich dann so errechnen:

Richtig kompliziert wird es bei der steuerlichen Bewertung des Anschaffungspreises beim Mining von Kryptowährungen. Ein Gedanke wäre, den Kurs vom Augenblick der Entstehung in Ansatz zu bringen. Da dieser Betrag allerdings nicht für den Erwerb des Coins aufgebracht werden musste, könnte das Finanzamt diese Sichtweise ablehnen. Andererseits hat der Schürfvorgang Zeit in Anspruch genommen und Energiekosten verursacht, ganz abgesehen von der Anschaffung der Hardware, die für das Mining erforderlich ist. In diesem speziellen Fall kann am besten der Steuerberater weiterhelfen.

Steuerberater

Das ist die Königsklasse bei der Berechnung von Veräußerungsgewinnen mit Kryptowährungen: die Kombination von steuerpflichtigen und steuerfreien Gewinnen. Sie dir einmal dieses Beispiel an:

Wie du siehst, befindet sich der Kauf vom 3. Mai 2018 außerhalb der Haltefrist, der Kauf vom 18. Februar noch innerhalb. Nach der FIFO-Regel errechnet sich der Veräußerungsgewinn so:

Verkaufserlös 1:
8.900 – 6.300 = 2.500 Euro steuerfrei (außerhalb Haltefrist)

Verkaufserlös 2:
8.900 – 8.300 = 600 Euro steuerpflichtig (innerhalb Haltefrist)

Die Errechnung des versteuerbaren Veräußerungsgewinns kann sich zu einer anspruchsvollen Aufgabe auswachsen. Daher solltest du immer darauf achten, alle Käufe und Verkäufe sorgfältig zu dokumentieren, damit du für das Finanzamt zuverlässige Nachweise bereit hast.

Welche Steuer kommt zur Anwendung?

Veräußerungsgewinne aus Geschäften mit Kryptowährungen werden wie normales Einkommen behandelt. Ermäßigte Steuersätze und automatischer Abzug wie bei der Abgeltungssteuer kommen hier nicht zum Tragen. Du bist also verpflichtet, Überschüsse aus Geschäften mit Bitcoin & Co. ganz normal in deine Steuererklärung aufzunehmen.

Bitcoin Steuern umgehen und dem Finanzamt verschweigen?

Besonders als Privatperson kann die Verlockung groß sein, Geschäfte mit Kryptowährungen dem Finanzamt zu verschweigen. Die dezentrale und teils anonyme Architektur dieser Währungen lässt den ein oder anderen denken: "Wie soll das Finanzamt das denn herausfinden?".

Steuererklärung bei Bitcoin und Kryptowährungen

Dies ist allerdings in den meisten Fällen ein Trugschluss. Eine der geschätzten Eigenschaften der Bitcoin Blockchain ist völlige Transparenz der bisherigen Transaktionshistorie. Die Anonymität ist immer nur solange gewährleistet, bis du an eine Schnittstelle zu Kauf und Verkauf der Coins gelangst. Hier könnte nun sehr leicht dein Name, Adresse, usw. mit deiner Bitcoin-Adresse in Verbindung gebracht werden.

Bitcoin

Alles was du über Bitcoin wissen musst

In unserem umfassenden Artikel über Bitcoin erfährst du einfach und verständlich wie Bitcoin funktioniert und welche Vorteile er hat.

Dadurch könnte das Finanzamt theoretisch bei Bedarf (und den nötigen Zugängen) auf einen Schlag deine komplette Transaktionshistorie lückenlos einsehen. Auch wenn Finanzämter vermutlich hier technologisch noch nicht auf dem aktuellsten Stand sind, so ist es nur eine Frage der Zeit bis Tools zur Analyse von Blockchain-Transaktionen auch hier ankommen.

Wie du es mit der Steuer hältst, bleibt ganz dir überlassen. Allerdings solltest du bedenken: Gezahlte Steuern kommen auch dir selbst zugute, denn durch sie entsteht die Infrastruktur, die du täglich nutzt. Aber selbst, wenn man ethische und moralische Gesichtspunkte außen vor lässt: Entdeckt werden können Schwarzgeschäfte immer, auch bei Privatpersonen. Selbst bei größter Vorsicht kannst du ins Blickfeld der Steuerfahnder geraten – bei Querprüfungen anderer Steuererklärungen beispielsweise.

Und schließlich: Keine andere Einkommensform bietet ein so einfaches und absolut legales Mittel, die Steuer auf Null zu senken, wie das bei Veräußerungsgewinnen möglich ist. Alles was du brauchst, ist etwas Geduld, bis die Haltefirst überschritten ist. Stress mit dem Finanzamt ist da wirklich nicht nötig.

Steuer Tools für Bitcoin und Kryptowährungen

Das Thema Steuern bei Bitcoin und anderen Kryptowährungen scheint im ersten Moment sehr kompliziert. Um den Überblick zu behalten, ist das wichtigste eine akkurate Aufzeichnung aller Transaktionen und Kryptobestände. Glücklicherweise gibt es hier einige Steuer-Tools speziell für Kryptowährungen.

Cointracking Logo

CoinTracking

Mit dem Marktführer unter den Steuer-Tools behältst du einen optimalen Überblick über dein Portfolio und deine Transaktionen. Durch Schnittstellen zu Börsen müssen Transaktionen nicht manuell erfasst werden.

Zur Website von CoinTracking

Koinly Logo

Koinly

Das englischsprachige Tool Koinly bietet einen ähnlichen Service wie CoinTracking. Das Startup legt dabei besonders hohen Wert auf eine ansprechende und einfache Nutzung. Koinly kann aktuell in über 20 Ländern genutzt werden.

Zur Website von Koinly

Steuerberater für Bitcoin und Kryptowährungen

Folgende ausgewählte Steuerberater helfen dir gerne beim Thema Kryptowährungen:

Logo Haberbosch & Straub Rechtsanwälte

Haberbosch & Straub Rechtsanwälte

Rechtsanwalt Haberbosch hat sich auf die Besteuerung von Kryptotransaktionen spezialisiert und bietet Dienstleistungen rund um die Besteuerung an. Diese können online gebucht werden und sogar mit Kryptowährungen bezahlt werden.

Zur Website

Logo Rechts- und Steuerberatung Schmidt

Rechts- und Steuerberatung Schmidt

Neben klassischer Steuerberatung zählt auch die Beratung bei der Besteuerung von Kryptowährungen zu unseren Spezialisierungen. Hier greifen wir auf langjährige Erfahrung und zahlreich betreute Mandanten zurück.

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Hinweis: Die Informationen betreffen ausschließlich die Steuerlage in Deutschland. Dieser Artikel wurde nicht von einem Steuerberater verfasst und soll keine Rechts- oder Steuerberatung darstellen. Bitte konsultiere im Zweifel immer einen Steuerexperten. Veröffentlichungsdatum: 13.12.2019

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