Aufgrund der hohen Gebühren bei Ethereum braucht es eine schnelle Lösung, die DApps und insbesondere DeFi-Protokolle wieder nutzbarer macht. Das Polygon-Netzwerk und der dazugehörige Ethereum-Token MATIC bilden gemeinsam eine Skalierungslösung, die darauf abzielt, einige Probleme der Ethereum-Plattform zu lösen und Transaktionen sowohl schneller als auch günstiger zu machen. Polygon bezeichnet sich selbst als "Ethereum's Internet of Blockchains".

Website von Polygon (Matic) Website von Polygon (ehemals "Matic")

Polygon im Überblick

Token MATIC
Kurs 1,53 € (+11,56% in 24h)
Marktkapitalisierung 10.767.951.538,76 €
Blockchain Ethereum
Gründer Jaynti Kanani, Sandeep Nailwal, Anurag Arjun
Veröffentlichung Oktober 2017
Entwickler Matic Network Ltd.
Use Case Infrastrutur, Skalierung, Performance
Konsens-Algorithmus Proof of Stake (PoS)
Whitepaper Polygon Whitepaper

Wie funktioniert Polygon?

Polygon geht das Skalierungsproblem von Ethereum mit einer Layer-2-Technologie an, bei der eine zweite Ebene und Sidechains die darunterliegende Ethereum-Blockchain entlasten – ähnlich wie das Lightning-Netzwerk bei Bitcoin. Ein wichtiger Bestandteil von MATIC sind seit Beginn der Entwicklung die sog. "Plasma Chains". Dabei handelt es sich um Ethereum-Sidechains auf der Basis des effizienten und nachhaltigen Proof-of-Stake-Verfahrens. Entwickler und Nutzer können in der Praxis ihre DApps und Smart Contracts in das Polygon-Netzwerk auslagern, die Skalierungsprobleme von Ethereum mit der Layer-2-Technologie umgehen und ihre Lösungen später wieder der Ethereum-Hauptchain zuführen und dort finalisieren.

Plasma Chain
Plasma - Sidechains für Ethereum
Blockchain

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Während sich das frühere MATIC-Netzwerk vorrangig auf eine verbesserte Skalierbarkeit von Ethereum konzentrierte, hat Polygon nach dem Rebranding im Februar 2021 noch ehrgeizigere Ziele. Polygon will als „Ethereum's Internet der Blockchains“ das etwas betagte Ethereum-Netzwerk in ein vollwertiges Multi-Chain-Ökosystem verwandeln, das für Entwickler und Nutzer vielseitig, sicher, effizient und günstig ist.

Polygon Technologie zur Skalierungslösung
Polygon's Technologien zur Skalierung von Ethereum

Welches Problem löst Polygon (MATIC)?

ICOs, DeFi, NFTs. Praktisch alle großen Trends im Kryptobereich der letzten Jahre spielten und spielen sich größtenteils auf der programmierbaren Ethereum-Plattform ab. Ethereum hat damit seine vielseitigen Einsatzmöglichkeiten unter Beweis gestellt und seine Vormachtstellung als „Kryptowährung 2.0“ gefestigt – trotz einer immer größer werdenden Konkurrenz an smarten Blockchains und Krypto-Plattformen wie Solana, Binance Smart Chain (BNB Coin) oder Cardano (ADA). Mit der steigenden Bekanntheit und Nutzung durch viele verschiedene DeFi-Anwendungen, NFTs und andere Einsatzzwecke werden aber auch die Skalierungsprobleme der etwas eingestaubten Ethereum-Blockchain sichtbar.

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Skalierungsprobleme von Ethereum

Ethereum wurde 2013 von Vitalik Buterin konzipiert und im Whitepaper „Ethereum: A Next Generation Smart Contract & Decentralized Application Platform“ beschrieben. Nach der Entwicklung und der Finanzierung per ICO wurde Ethereum dann 2015 gestartet und zwar genau wie Bitcoin, Litecoin und viele andere Kryptowährungen auf Basis des Proof-of-Work-Verfahrens, kurz PoW. Bei PoW stellen Miner ihre Rechenleistung zur Verfügung, um kryptographische Rätsel zu lösen und so einen Konsens herzustellen. Blöcke und die darin abgelegten Transaktionen werden so bestätigt und die dezentrale Blockchain fortgeschrieben. Als Belohnung für ihre Rechenleistung erhalten die Miner neue, frisch geschürfte Coins. PoW gilt als zuverlässig, bringt aber gewisse Skalierungsprobleme mit sich, die auch schon Bitcoin und andere Kryptowährungen bei steigender Beliebtheit und Akzeptanz zu spüren bekommen haben.

Transaktionen

In der ursprünglichen Form kann das Ethereum-Netzwerk bis zu 15 Transaktionen pro Sekunde abarbeiten – und das ist angesichts immer größerer Nutzerzahlen nicht mehr genug. Die Konsequenz: Transaktionen dauern ungewöhnlich lange und Nutzer müssen hohe Gebühren (Gas) zahlen, um sich eine schnelle Bearbeitung und Bestätigung ihrer Transaktionen zu erkaufen. Anfang 2021 waren Transaktionsgebühren im hohen zweistelligen US-Dollar-Bereich keine Seltenheit – und das bei jeder Transaktion im Ethereum-Netzwerk, also auch beim Tausch kleiner Beträge bei einer dezentralen Börse (DEX).

Transaktionskosten im Vergleich: Polygon und Ethereum

Stand Juli 2021, Quelle: https://polygon.technology/stats/

Interaktion Ethereum (Hauptchain) Polygon
ETH Transfer ~$2.06 ~$0.003142
NFT Transfer ~$4.90 ~$0.007482
ETH-ERC20 Swap ~$12.75 ~$0.019453
Liquidität bereitstellen ~$13.73 ~$0.020950
Opensea: Registry ~$38.38 ~$0.058569

Vor allem DeFi-Anwendungen sind von möglichst günstigen Gebühren abhängig, um sich von klassischen Finanzlösungen abzuheben. Wer will schon eine Transaktionsgebühr von 50 US-Dollar oder mehr bezahlen, um bei einem DEX einen Token zu kaufen oder um in NFTs zu investieren? Eine schnelle Lösung von den Ethereum-Machern ist aber leider nicht in Sicht. Zukünftige Entwicklungsstufen hin zu „Ethereum 2.0“ sollen zwar einen Wechsel zum Proof-of-Stake-Verfahren vollziehen und das Skalierungsproblem mit verschiedenen Maßnahmen und Optimierungen langfristig aus der Welt schaffen.

Bis Ethereum 2.0 vollständig implementiert ist und für alle Nutzer bereitgestellt wird, vergeht aber noch Zeit. Einen konkreten Termin gibt es für „Ethereum 2.0“ nämlich noch nicht, auch wenn der Grundstein für die Entwicklung bereits gelegt ist. An der Stelle setzt das frühere MATIC-Netzwerk an, das heute unter Polygon bekannt ist. Polygon bietet schon heute eine Lösung für Ethereum-Anwender, die großen Wert auf schnelle und günstige Transaktionen legen, dabei aber nicht auf die Vorzüge der beliebten Ethereum-Plattform verzichten möchten.

Polygon: Skalierungslösung für Ethereum
Polygon: Skalierungslösung für Ethereum

Polygon macht Ethereum schneller und günstiger

Polygon wurde konzipiert, um das aktuelle Skalierungsproblem von Ethereum zu lösen. Als sog "Layer-2-Technologie" schafft Polygon eine zweite Netzwerkebene, mit der sowohl Entwickler als auch Anwender von Ethereum-DApps den Flaschenhals des Netzwerkes umgehen können.

Durch die geschickte Kombination des Plasma-Frameworks und einer Proof-of-Stake-Architektur, können DApps und die dazugehörigen Smart Contracts einfach auf einer zweiten Ebene ("Layer 2") laufen, die von der Polygon-Architektur bereitgestellt wird. Wie leistungsfähig Polygon ist, wird an wichtigen Kennzahlen deutlich: Statt der rund 15 Transaktionen pro Sekunde, die Ethereum schafft, kann Polygon über 65.000 Transaktionen pro Sekunde auf einer einzigen Sidechain verarbeiten und dabei neue Blöcke in weniger als zwei Sekunden bestätigen.

Die Nutzung der Layer-2-Technologie kann Ethereum-DApps also massiv beschleunigen und erspart Anwendern die hohen Transaktionsgebühren, die ohne Skalierungslösung für eine schnelle Bearbeitung fällig werden würden. Praktisch: Polygon ist voll kompatibel mit der Laufzeitumgebung Ethereum Virtual Machine (EVM), weshalb DApps unkompliziert auf die Polygon-Architektur wechseln können ohne das Ethereum-Ökosystem zu verlassen. Das Kernstück ist dabei das Polygon SDK, das die Macher den Entwicklern von DApps bereitstellen. Mit dem SDK bekommen Entwickler alle nötigen Werkzeuge an die Hand, um ihre Projekte mit der Hilfe von Polygon zu realisieren – und das ohne lange Einarbeitungszeit direkt in der gewohnten Ethereum-Programmiersprache Solidity.

Polygon SDK Features
Polygon SDK Features, Quelle: polygon.technology/polygon-sdk

Polygon soll Ethereum in ein vollwertiges Multi-Chain-System verwandeln

Das 2017 gestartete MATIC-Netzwerk zielte vor allem auf die Skalierungsprobleme von Ethereum ab und sollte DApps günstiger, einfacher und schneller machen. Nach einem Rebranding und der Umbenennung in Polygon hat sich das Projekt auch die Infrastrukturentwicklung auf die Fahne geschrieben und möchte die Zusammenarbeit von Ethereum mit anderen Blockchains fördern. Mit zusätzlichen Werkzeugen wie ZK-Rollups und Optimistic Rollups (Erklärung siehe oben) sollen langfristig die Skalierungsmöglichkeiten weiterentwickelt, die Sicherheit verbessert und noch mehr Einsatzmöglichkeiten durch die Unterstützung blockchainübergreifender Aktionen geschaffen werden.

MATIC Token: Internes Zahlungsmittel von Polygon

Der an vielen Börsen unter dem Kürzel MATIC handelbare Token erfüllt aktuell folgende Anwendungszwecke im Polygon-Netzwerk:

Polygon verfolgt zwar nach dem Rebranding ehrgeizigere Ziele als einfach nur die Beschleunigung von Ethereum-Transaktionen, der dazugehörige und vor der Umbenennung namensgebende Utility Token MATIC bleibt aber unverändert.

Rebranding von Matic zu Polygon
Rebranding von Matic zu Polygon

Der MATIC Token wird auch weiterhin für verschiedene Zwecke eingesetzt. MATIC ist das interne Zahlungsmittel des Polygon-Netzwerkes, mit dem Nutzer das Gas bezahlen – also die Transaktionsgebühren. Token-Besitzer können zudem am Governance-System teilnehmen und mit ihren Stimmrechten bei Polygon Improvement Proposals (PIPs) aktiv die Richtung und die Entwicklung des Projekts mitbestimmen. Außerdem haben Token-Besitzer natürlich die Möglichkeit, ihre Token dem Netzwerk zur Verfügung zu stellen und Staking zu betreiben, um im Rahmen des Proof-of-Stake-Verfahrens für die Lauffähigkeit und die Sicherheit des Netzwerkes zu sorgen. Die Verwaltung und das Staking von MATIC Token funktioniert im Matic Web Wallet ebenso wie in bekannten Online-Wallets wie z.B. MetaMask. Als Belohnung für das Staking bekommen Nutzer regelmäßig eine Belohnung in Form von neuen MATIC-Token und können so ein passives Einkommen erzielen.

Polygon DApps: Diese Projekte nutzen das Protokoll

Polygon Projekte und DApps DApps und andere Projekte, die Polygon nutzen // Quelle: awesomepolygon.com

Angesichts der hohen Transaktionsgebühren innerhalb des Ethereum-Netzwerkes ist das Verlangen nach einer effizienten Skalierungslösung groß, weshalb Polygon im ersten Halbjahr 2021 viele neue Partner gewinnen konnte. Inzwischen arbeiten über 350 DApps und Projekte mit dem Polygon-Netzwerk. Ein Großteil der Polygon-Partner kommt aus dem DeFi-Bereich, wo schnelle Transaktionen und möglichst geringe Gebühren eine wichtige Rolle spielen. In der Liste der Partner finden sich einige bekannte Namen, darunter die legendäre Unterhaltungselektronik- und Spielemarke Atari, die DeFi-Protokolle Aave, EasyFi und SushiSwap sowie zahlreiche NFT-, Gaming-und Wett-Plattformen.

Eine Übersicht aller DApps und Projekte findest du hier: https://awesomepolygon.com/

Polygon (Matic) Kurs: Historie und Meilensteine

Der zum Polygon-Netzwerk gehörende MATIC-Token, der auf Ethereum basiert, kann an vielen verschiedenen Handelsplätzen gekauft und verkauft werden, sowohl an klassischen Kryptobörsen als auch an dezentralen Börsen. MATIC hat bereits mit einer durchaus beeindruckenden Kursentwicklung auf sich aufmerksam gemacht, die fast schon an den Preisanstieg einiger Memecoins erinnerte – und das obwohl Polygon ein ehrgeiziges Projekt mit einem echten Wert ist und eher nicht von Influencern und Prominenten künstlich hochgejubelt wird.

Polygon Kurs

Gestartet ist der MATIC-Token mit einem Wert von weniger als 0,01 US-Dollar. Die Ein-Cent-Marke konnte MATIC im Anschluss zwar immer wieder durchbrechen, über einen ordentlichen Preisanstieg konnten sich Token-Besitzer und Investoren aber erst nach dem Rebranding in Polygon und der Verkündung der neuen Zielen freuen. Anfang Februar 2021 durchbrach MATIC erstmals einen Wert von 0,10 US-Dollar. Im Mai 2021 war ein MATIC-Token dann erstmalig mehr als 1 US-Dollar wert und im Verlauf des Bullenmarktes stieg der Wert des MATIC-Tokens sogar auf über 2 US-Dollar. Gemessen an der Marktkapitalisierung gehörte Polygon (MATIC) zwischenzeitlich zu den 15 wertvollsten Kryptowährungen am Markt.

Polygon (Matic): Zukunft und Prognose

Wie sieht die Zukunft von Polygon und dem MATIC-Token aus? Eine Frage, die sich ohne Glaskugel nicht mit Sicherheit beantworten lässt. Einschätzungen und grobe Prognosen sind aber möglich. Polygon bietet mit den Skalierungsmöglichkeiten Lösungen, die Ethereum jetzt braucht und liefert damit einen echten Mehrwert, solange die Entwicklung hin zu „Ethereum 2.0“ noch mit einem eher gemäßigten Tempo vorangeht – zumal der Erfolg der mit Ethereum 2.0 verbundenen Maßnahmen keineswegs garantiert ist. Die 15 Transaktionen, die Ethereum derzeit ungefähr pro Sekunde abarbeiten kann, sind angesichts immer mehr Anwendungsszenarien nicht mehr genug. Die steigende Beliebtheit und Akzeptanz von vielen praktischen DeFi-Anwendungen und Hypes wie ICOs und NFTs sind zwar eine gute Sache für die gesamte Kryptowelt, sie zeigen aber auch schonungslos die Skalierungsprobleme von Ethereum und vielen anderen Kryptoplattformen bzw. Kryptowährungen auf. Gas Fees bzw. Transaktionsgebühren von 50 US-Dollar und mehr, wie sie im ersten Halbjahr 2021 nicht ungewöhnlich waren, sind für viele DeFi-Anwendungen und andere DApps langfristig nicht akzeptabel.

Polygon Prognose

Skalierungslösungen wie Polygon (MATIC), besitzen deshalb ein großes Potenzial, wie die beeindruckende Kursentwicklung des MATIC-Tokens gezeigt hat. Teilweise war MATIC mit eine Marktkapitalisierung von über 15 Milliarden US-Dollar eine der 15 wertvollsten Kryptowährungen der Welt – in direkter Gesellschaft von etablierten Projekten wie Chainlink und Monero. Kann sich Polygon (Matic) noch weiter steigern? Das ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig. Lässt Ethereum 2.0 noch lange auf sich warten und müssen Entwickler von DApps sich deshalb zumindest vorerst zwingend nach einer anderen Lösung umsehen? Dann könnte Polygon spätestens beim nächsten DeFi- oder NFT-Hype noch einmal wachsen und damit auch der Kurs des MATIC-Tokens erneut steigen. Interessant wird auch zu beobachten sein, wie erfolgreich Polygon beim Umsetzen der ehrgeizigen Ziele sein wird, die man sich beim Rebranding von Matic Network in Polygon gesetzt hat, nämlich die langfristige Verwandlung von Ethereum in eine vollwertige Multi-Chain-Lösung, die dann noch viel mehr Einsatzmöglichkeiten über die Blockchain-Grenzen hinweg bietet. Gelingt das, könnte sich das mit hoher Wahrscheinlichkeit noch einmal positiv auf den MATIC-Kurs auswirken – und in der Zwischenzeit können Token-Besitzer mit dem Staking Rendite erzielen.

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