Blockchain Anwendungsbereiche und Use Cases

Blockchain bietet unzählige Anwendungsmöglichkeiten, von denen erst wenige wirklich umgesetzt worden sind, während sich ein Großteil der Projekte noch in der Planungs- und Ausarbeitungsphase befindet. Die Technologie alleine bietet interessante Einsatzmöglichkeiten, jedoch entfaltet sich das Potenzial am besten in Verbindung mit anderen Technologien wie dem Internet der Dinge, künstlicher Intelligenz oder moderner RFID- & Sensortechnologie. Des Weiteren müssen mit der Zeit einige notwendige regulatorische Hürden gemeistert werden. Optimal lässt sich die Technologie grundsätzlich in Umwelten einsetzen, in denen mehrere Parteien dasselbe Ziel verfolgen, sich aber aus verschiedenen Gründen misstrauen. In Blockchain-basierten Umwelten können Parteien ohne Zweifel und Misstrauen schnell und effizient miteinander agieren.

Einige potenzielle Anwendungsbereiche

Im Folgenden sollen drei Anwendungsfälle aufgezeigt werden, die die innovative Bandbreite der Technologie beschreiben.

Kühlkette für Pharmazie-Produkte

Blockchain in der Pharmaindustrie

Ein Fall, der exemplarisch für den Einsatz von Blockchain im Bereich der Supply-Chain steht, ist die Kühlkette von Medikamenten. Um die Wirksamkeit von bestimmten Medikamenten zu gewährleisten, ist es notwendig, diese unter präzisen Temperaturbedingungen zu transportieren. Die negativen Folgen eines nicht wirksamen Medikaments können finanziell weitreichend für Unternehmen und vor allem ultimativ für Patienten sein. Eine konstante Kühlkette zu garantieren und diese zu belegen stellt jedoch bis heute eine zentrale Herausforderung dar. Die komplizierte Transportlogistik, in der viele unterschiedliche Parteien und Systeme involviert sind, ist ineffizient und anfällig für Probleme wie Intransparenz und fehlende Nachvollziehbarkeit der Transportwege und Temperaturbedingungen. Dies kann dazu führen, dass Händler Medikamente erhalten, deren Qualität sie nicht nachvollziehen können und Patienten letzten Endes unwirksame Medikamente einnehmen.

Blockchain könnte Vertrauen und Transparenz schaffen

Während die Sensortechnologie für die Kontrolle von Medikamenten bereits in Teilen vorhanden ist und die Schnittstelle zum Internet der Dinge dafür sorgen kann die entsprechenden Analysedaten in digitale Systeme einzuspeisen, fehlt zur ganzheitlichen Lösung des Problems jedoch ein Puzzleteil. Bei diesem handelt es sich um Blockchain, welches Vertrauen zwischen den einzelnen Teilnehmern der Supply Chain und dem Endverbraucher schaffen kann. Ohne Blockchain werden die Informationen über die Medikamente auf zentralen Servern, oder sogar noch in Papierform, gespeichert und weitergegeben. Dies kreiert eine Abhängigkeit von jedem Intermediär, der in der Lieferkette involviert ist – Regierungsvertreter, Zölle, Banken, Transport- und Lagerunternehmen usw. All diese Parteien zu koordinieren, ist darüber hinaus extrem zeit- und kostenaufwendig.

Lager

Mithilfe der Blockchain-Technologie lässt sich nun ein globales System aufsetzen, welches Vertrauen schafft und Transparenz gewährleistet. Es gibt keinen zentralen Kontrollpunkt. Vielmehr können alle Parteien, die in die Lieferkette involviert sind, mit daran partizipieren die Informationen zu überprüfen und eine transparente Dokumentation der Kühlkette zu garantieren. So können zu jedem Zeitpunkt des Transports die Temperaturbedingungen in das Blockchain-System eingespeist und für alle nachvollziehbar dokumentiert werden. Dies hilft auch dabei, Unterbrechungen der Kühlkette zu analysieren. Insbesondere nützt es aber den Patienten, die durch die manipulationssichere und offen einsehbare Dokumentation sichergehen können, woher die Medikamente stammen und unter welchen Umständen diese transportiert wurden.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist hierbei die Effizienzsteigerung der Lieferkette, insbesondere bei der Administration und Zahlung. So können über Smart Contracts automatisch alle notwendigen Informationen und Zahlungen zwischen den einzelnen Parteien abgewickelt werden. Eine im Nachhinein festgestellte kontaminierte Medikamentenpackung kann zum Beispiel direkt eine entsprechende Reklamationszahlung auslösen. Auch Gehälter und Gebühren an Transportunternehmen können direkt bei erfolgreicher Lieferung gezahlt werden.

Das beschriebene System steigert in enormem Maß die Effizienz und Transparenz im Bereich der Kühlkette von Medikamenten. Jedoch lassen sich die Vorteile einer Lieferketten-Blockchain auf unterschiedlichste Branchen übertragen. So entstehen spannende Projekte im Bereich von Nahrungsmitteln, Luxusmode, Edelsteinen und Mineralien oder der Containerlogistik – um nur einige Beispiele zu nennen. Der Supply-Chain-Bereich ist eines der größten Anwendungsfelder von Blockchain und bereits jetzt ist abzusehen, dass hier in Zukunft viele spannende Projekte und Entwicklungen folgen werden.

Mensch-Maschine Interaktion im Automobilbereich

Blockchain im Automobilbereich

Die Art und Weise, wie wir heutzutage Transportsysteme nutzen, wird sich durch verschiedene Entwicklungen drastisch ändern. Autonomes Fahren, E-Mobilität, Sprachsteuerung und künstliche Intelligenz, sowie das Internet der Dinge werden dazu führen, dass der Mensch immer mehr den Maschinen den Transport überlässt. Um zu verstehen, wie Blockchain hier einen Einfluss ausübt, wollen wir zunächst ein futuristisches, aber durchaus mögliches Szenario zeichnen:

Autos, die eigenständig bezahlen

An einem Donnerstag nach Feierabend loggt sich Karl mit seiner Smartwatch in ein selbstfahrendes E-Auto ein. Dieses gehört seiner Kollegin Sarah, deren Schicht aber gerade erst anfängt, sodass sie ihr Auto während der Arbeitszeit zur Miete zur Verfügung stellt. Durch Karls Login-Informationen erahnt das Auto bereits die Destination, da dieser jeden zweiten Donnerstag zum Sport fährt. Nach kurzer Bestätigung geleitet ihn das Gefährt in das Parkhaus der Sporthalle. Dies geschieht ohne Wartezeit an einer Schranke, da das Auto bereits selbstständig eine Zahlung an den Parkhausbetreiber vorgenommen hat. Nach dem Sport lässt sich Karl von dem Auto nach Hause fahren. Während der Fahrt warnt das Auto, dass die Batterie geladen werden muss. Mit Erlaubnis von Karl fährt das Auto daraufhin selbstständig zur nächsten Ladestation, lädt die Batterie auf, zahlt und bringt Karl nach Hause, der sich im Anschluss daran wieder ausloggt.

Während der Leihe wurden mehrere Mikrotransaktionen zwischen den Konten der Maschinen und Personen vorgenommen. Das Auto zahlte die Parkgebühr und die Batterieladung an wiederum andere Maschinen, während es gleichzeitig Geld von Karls Konto für die Zeit der Leihe, den Energieverbrauch und die Parkzeit, abhob. Die Zahlungen geschehen dabei in Echtzeit, sodass Sarah bereits während der Leihe mehrere Mikrotransaktion für die Zeit und den Energieverbrauch erhalten hat, während das Auto wiederum von ihrem Konto bereits Geld für die Batterieladung abhob.

Eines von vielen Projekten, die sich dieser Thematik widmen ist beispielsweise IOTA.

Im genannten Beispiel kommunizieren und interagieren die Personen und Maschinen ohne Unsicherheiten miteinander. Die Informationen über den Gebrauch und Besitz sind sicher und konstant im System der Blockchain verwahrt, während Smart Contracts dabei helfen zig automatisierte Handlungen und Zahlungen durchzuführen. Während die zuerst genannten Technologien dafür sorgen, dass autonome, intelligente Maschinen überhaupt miteinander kommunizieren können, sorgt die Blockchain-Technologie dafür, dass sie dies im Zusammenspiel mit dem Menschen vertrauensvoll, manipulationssicher und automatisiert tun. Diese Maschine-Maschine, als auch Mensch-Maschine-Interaktion lässt sich mittels Blockchain-Infrastruktur unbegrenzt ausdehnen, wo auch immer Maschinen genutzt werden. Da in Zukunft die Anzahl der, und die Nutzung von autonom handelnden Maschinen besonders durch das Internet der Dinge stark gesteigert werden wird, erwarten uns hier ebenfalls interessante Projekte und Entwicklungen der Blockchain-Technologie.

Versicherungen

Blockchain in der Versicherungsbranche

Wer heutzutage eine Versicherung abschließen oder sich im Schadensfall eine zustehende Zahlung bei seinem Versicherer einholen möchte, der muss mit einem großen administrativen Aufwand rechnen. Dies geht zum einen bei der Anmeldung einer Versicherung los. Versicherungsunternehmen möchten Risiken so gut wie möglich einschätzen. Um dies zu gewährleisten, holen sie unter entsprechendem Aufwand die notwendigen Informationen dafür ein. Einerseits verwenden sie individuelle Informationen, wie zum Beispiel aus bestehenden Krankenakten oder durch auszufüllende Fragebögen. Zum anderen verwenden und analysieren sie teilweise eigens erstellte riesige statistische Datenmengen. Eine Sturmversicherung nutzt beispielsweise umfassende statistische Analysen zu Umweltbedingungen in entsprechenden Gebieten.

Der zweite hohe Aufwand für die Versicherer liegt in der Bewertung von Schäden und des jeweiligen Anspruchs. Je nach Fall müssen wieder Fragebögen ausgefüllt, Fotos, Videos und Zeugen zur Beweisaufnahme herangezogen, oder sogar Gutachter und Anwälte beauftragt werden. Dieser Aufwand betrifft Versicherer und Versicherte und resultiert für beide in steigenden Kosten. Darüber hinaus ist das gegenseitige Vertrauen durch einen intransparenten Informationsfluss gestört, welches durch Versicherungsbetrüger auf der einen und kommerzielle Interessen der Versicherungsunternehmen auf der anderen Seite verstärkt wird.

Blockchain bietet in diesem intransparenten und misstrauischen Umfeld mehrere Vorteile. Es bestehen natürlich weiterhin komplexe Versicherungsfälle, die nicht ohne menschliche Gutachter bearbeitet werden können. Dennoch können Blockchain und intelligente Verträge bereits jetzt für einige Versicherungsfälle spannende Lösungsansätze liefern.

Zum einen besteht die Möglichkeit für Individuen ihre kompletten personenbezogenen Daten auf die Blockchain zu laden und diese selektiv bei Notwendigkeit beispielsweise an angeschlossene Versicherungsunternehmen, Ärzte oder Behörden freizugeben. Da diese Informationen betrugssicher und verifiziert sind, können hierdurch Aufwände und Kosten für alle Parteien gesenkt und Tarife individuell zugeschnitten werden. Neben der Gesundheitsbranche liefert zum Beispiel eine Autoversicherung ein gutes Beispiel. Informationen zum Fahr- und Unfallverhalten einer Person, welche durch das Kraftfahrt-Bundesamt hinterlegt sind, könnten automatisch und schnell den Tarif einer individuellen Versicherung für die Nutzung eines Carsharing-Angebots berechnen.

Automatische Zahlungen bei Flugausfällen

Bezogen auf die Auszahlung von Leistungen bestehen bereits erste Blockchain-basierte Lösungen, die dazu genutzt werden mögliche Flugausfälle zu versichern. Hierbei ist das Blockchain-Netzwerk mit einer weltweiten Flugverkehrsdatenbank verbunden, die automatisch erkennt, ob und in welchem Umfang Flüge ausfallen. Mittels Smart Contracts werden automatisierte Zahlungen an die Versicherten vorgenommen, sobald entsprechende Informationen von Flugausfällen in das Netzwerk eingehen. Im Vergleich zum bisherigen Prozess, wo man seine Schadensersatzansprüche über die Airline oder komplizierte Online-Verbraucherportale geltend machen muss, bedeutet dies eine enorme Aufwandsminderung.

Flugausfall

Die Möglichkeiten für die Versicherungsbranche und seiner partizipierenden Parteien scheinen immens, da das gegenseitige Vertrauen in Teilen überflüssig gemacht wird. Im Bereich der individuellen Berechnung von Tarifen können die Informationsverwahrung und selektive Informationsvermittlung eines Blockchain-Systems eine ganz neue Infrastruktur schaffen, während Smart Contracts durch automatisierte Zahlungen von Schadensersatzansprüchen eine enorme Effizienzsteigerung bedeuten, die wiederum zu sinkenden Kosten für alle Teilnehmer führt. Die Komplexität der Versicherungsbranche lässt erahnen, dass komplett automatisierte und transparente Prozesse in allen Bereichen utopisch sind. Jedoch gibt es Entwicklungen in einigen Arealen, die das Potenzial zu weitreichenden Änderungen durch den Einsatz von Blockchain-Technologie erahnen lassen. Es wird spannend sein zu beobachten, welche Bereiche dies neben den bereits beschriebenen Beispielen sein werden.

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